The Riverfront Project

Der Platzmangel ist zu einem immensen Problem in Indiens rapide wachsenden Metropolen geworden, die aus allen Nähten zu platzen drohen. Raum für geplante Entwicklung gibt es kaum und dadurch müssen vielerorts die Habenichtse den Plänen der Habenden weichen. Städtische Zivilisation und infrastrukturelle Entwicklung widersprechen bisweilen der urban Evolution, wie sie seit jeher in den subkontinentalen Megastädten stattfand. Informelle Siedlungen in den Stadtzentren passen nicht mehr in das Bild des neuen Indiens, das zunehmen von Städteplanern am Reißbrett entworfen wird.

Die offzielle Webseite des Sabarmati Riverfront Projekts nennt das Vorhaben eine Verbesserung für die Umwelt, soziale Aufwertung und städtische Verjüngung, das Ahmedabad zweifellos verändern wird. Das Projekt zielt darauf ab, der Bevölkerung wieder einen Zugang zu ihrem Fluss zu ermöglichen und dadurch die Beziehung zum Sabarmati wieder herzustellen. Bevor die Räumung der Slums begann, wurde ihre Einwohner benachrichtigt. Einige wurden umgesiedelt und leerten ihre Häuser. Andere hatten keine andere Wahl, als ihre wenigen Habseligkeiten auf die Straße zu tragen. Sie wurden bei der Umsiedlung vergessen oder übergangen. Es blieb ihnen nichts übrig, als zuzusehen, wie ihre Häuser niedergerissen wurden.

Das Überbleibsel der Räumung gleicht einem Meer aus Backsteinen und Wellblech, in dem die Hinterbliebenen lange ausharrten. Geschätzte tausend Familien warteten monatelang auf eine Umsiedlung oder Kompensation für den Verlust. Ahmedabad ist nur eines von zahllosen Beispielen, die die Gesichter der Städte in ganz Indien verändern. Allein in Ahmedabad sind bislang etwa 12000 Familien von der Umgestaltung ihres Lebensraumes betroffen und wurden aus gewachsenen innerstädtischen Slums in vertikale Betonstrukturen umgesiedelt, die oft in den Außenbezirken der Metropole liegen. Gerüchten zufolge wurden sie dabei nach ihrer Religionszugehörigkeit getrennt. Sozialer Sprengstoff, in einer Stadt, deren Narben der Unruhen von 2002 erst langsam heilen.

 

 

 

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