Kleider machen Leute. Doch die Leute, die die Kleider anderer Leute machen, bleiben dabei oft auf der Strecke. W├Ąhrend die wachsende Mittelschicht Indiens westlichen Trends hinterherjagt, verschlingt der nimmersatte hungrige Tiger seine Arbeiterklasse zum Wohle des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Ahmedabad, galt lange Zeit als das Manchester des Orients und auch heute noch schnaufen die dampfenden Maschinen in den Textilfabriken in der Stadt am Sabarmati Fluss und spucken Stoffe aus, die sp├Ąter auf den weltweiten Markt gesp├╝lt werden. Hier gr├╝ndete einst Mahatma Gandhi seinen Ashram, sa├č am Spinnrad und verbreitete die Idee einer Nation der Gleichheit, Toleranz und Gewaltfreiheit. Doch die indische Realit├Ąt sieht anders aus.

Von den Kindersklaven auf den Baumwollplantagen im l├Ąndlichen Gujarat bis hin zu denen, die die schmutzige W├Ąsche der Betuchten waschen, lassen sich viele Geschichten erz├Ąhlen, die fernab von Fairtrade oder der schillernden Exotik Bollywoods spielen. Viele der Arbeiter schuften Doppelschichten, um ihren kargen Lohn aufzubessern. Die Armut zwingt sie die unzumutbaren Arbeitsbedingungen hinzunehmen. Das Sonnenlicht sehen viele von ihnen kaum, gesundheitliche Sch├Ąden durch den fahrl├Ąssigen Umgang mit Chemikalien und Farben oder den allgegenw├Ąrtigen Staub, der bei der Arbeit mit Baumwolle entsteht, verk├╝rzen die Lebenserwartung vieler Textilarbeiter, die mittlerweile unterhalb des indischen Durchschnitts von ca. 64 Jahren liegt

Doch Indien ver├Ąndert sich. Inder sagen, Indien entwickelt sich. Langsam aber sicher. Doch solange Korruption und Habgier diese Entwicklung lenken, wird vom wirtschaftlichen Aufschwung nur wenig dort ankommen, wo es am n├Âtigsten ist. Dennoch ist eine Schuldzuweisung nicht eindeutig m├Âglich, denn letzten Endes sind es auch wir, die die Fr├╝chte unserer Geiz ist Geil-Mentalit├Ąt tragen.

Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Lakthar; Ein Arbeiter befreit ein Flie├â┬čband in einer Baumwollaufbereitungsfabrik von einer Verstopfung. Was so schwerelos anmutet hat jedoch einen traurigen Beigeschmack. Durch die stark staubende Baumwolle wird ein Staub freigesetzt, der auf Dauer zum sogenannten Baumwollfieber fuehren kann. Dabei handelt es sich um eine schwere Atmewegserkrankung, die die Erwerbstaetigkeit unmoeglich machen kann. Eine soziale Absicherung oder geeignete Schutzkleidung gibt es nicht, doch die finanzielle Not zwingen die Menschen, derartige Arbeitsbedingungen hinzunehmen.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Kothariya; Die trockenen Ebenen Gujarats sind eines der grossen Baumwollanbaugebiete Indiens. Das trockene Klima und die vorhandenen Boeden bieten gute Vorraussetzungen fuer den Anbau des weissen Goldes. Immer wieder fuehren jedoch Duerren in Indien zu Missernten oder zu gute Ernten lassen die Preise der Baumwolle fallen. Die hohen finanziellen Belastungen, besonders durch die Markteinfuehrung gentechnisch veraenderter Baumwollsorten, fuer den Einkauf des Saatguts und der Pestizide, die die Bauern tragen muessen fuehren zum Teil zu hoher Ueberschuldung. Nicht selten begangen Farmer in den letzten Jahren Sebstmord. Ein ganzer Landstrich in Indien traegt den Titel "Selbstmordguertel". In Gujarat wird noch viel Biobaumwolle angepflanzt. Die Angst vor Schaedlingen udn Missernten haben jedoch auch hier den Einsatz von Duengemitteln und Pestiziden erhoeht.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Odhav; Ein Arbeiter prueft die frisch gefaerbten Stoffe in einer gro├â┬čen Textilfabrik in einem Industriegebiet in Ahmedabad, waehrend sein Vorarbeiter ihn kritisch beaeugt.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Kothariya; Viele der Arbeiter auf den Feldern Gujarats sind Wanderarbeiter. Da die Baumwollfarmer zum Teil zu einem bescheidenen Wohlstand gelangt sind, finden sich in den laendlichen Strukturen des relativ wohlhabenden Staates kaum noch Arbeiter fuer die anstrengende Arbeit, die zum groessten Teil im Buecken ausgefuehrt werden muss. Immer wieder finden sich auf den Feldern auch Kinder, die von Mittelsmaennern aus aermeren Staaten, wie zum Besipiel Rajasthan, an die Farmer vermietet werden. Der Lohn der Pfluecker betraegt pro Tag weniger als einen US-Dollar.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; In der Hochphase der Textilindustrie Ahmedabads wucherten die Fabriken an den Raendern des Stadtgebietes. Heute liegen sie mitten im Stadtgebiet. Um die Industrieanlagen haben sich slumartige Subzentren gebildet, in denen viele der Arbeiter wohnen.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Die Siebdrucker in einer der unzaehligen Druckereien in Ahmedabads Stadtteil Beherampura werden nach bedruckten Metern bezahlt. Die Auftragslage in diesem Betrieb ist relativ stabil, da vorwiegend fuer den nationalen Markt produziert wird, der nciht allzu starken Schwankungen unterliegt. Nur waehrend der Monsunzeit kommt die Produjtion zum Erliegen, da die hohe Luftfeuchtigkeit ein Bearbeiten der Baumwollbahnen unmoeglich macht. Waehrend dieser Zeit muessen sich die Arbeiter eine andere Quelle fuer ihren Lebensunterhalt suchen.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Odhav; Der Handabruck eines Arbeiters auf einer Spule mit Baumwollfaeden, die die Grundlade des spaeteren Gewebes bilden.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Paldi; Ein Waescher schuettet Bleichmittel in einen Bottich, in dem die Waesche dann einweicht. Der wachsende hygiene Bedarf, den die indische MIttelschicht ueber die letzten Jahre entwickelt hat, bringt es mit sich, dass in den Ghats der Waescher Ungewissheit ueber ihre Zukunft herrscht. Zwar waschen sie nach wie vor die Bettlaken und Tischtuecher aller Hotels und anderer gro├â┬čer Kunden, dennoch bleiben viele Kunden aus - den einen wenigen ist ihre Waesche zu teuer, die Hygiene nicht hoch genug, der breiten Masse dagegen, bleibt nicht genug Geld, um ihre wenigen Habseeligkeiten Waschen zu lassen.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Ein Heizer schichtet Saecke mit Brennmaterial um, waehrend sein Kollege schlaeft. Der Energiebedarf der Fabriken ist enorm. Neben dem immensen Bedarf an Dampf und Hitze, den die Fabriken in Boilern selbst erzeugen koennen, sit der Stromverbrauch gewaltig. Da die infrastrukturellen Bedingungen Indiens einen uebermaessigen Stromverbrauch nicht zulassen, wird jede Fabrik an einem Tag in der Woche vom Netz genommen. Diese Verordnung bringt den Vorteil mit sich, dass in vielen Betrieben eine Sieben-Tage-Woche nicht realisierbar ist, sodass die Arbeiter wenigstens einen Tag pro Woche frei haben.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Ein Arbeiter fuehrt eine Stoffbahn aus einem Trockner nach. Durch die Arbeit in der baumwollverarbeitenden Industrie sind viele der Arbeiter an einer berufstypischen Staublunge erkrankt.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Odhav; Ein Faerber mischt Farbe in der Farbwerkstatt einer gro├â┬čen Textilfabrik an. Die Arbeit mit den chemischen Farben und den austretenden Daempfen ist gesundheitsschaedlich. Massnahmen zur Unfallverhuetung gibt es kaum, eine soziale Absicherung im Krankheitsfall oder bei Berufsunfaehigkeit existiert nicht.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Ein 12-jaehriger Junge haegt die frisch gefaerbten Stoffbahnen, die fuer den deutschen Markt bestimmt sind zum Trocknen auf. Fuer die Arbeit auf den teils maroden und bruechigen Bambusgeruesten werden vielerorts minderjaehrige Arbeiter eingesetzt, da diese nicht so schwer sind.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Odhav; Ein Faerber nimmt mit seinem Finger eine Farbprobe aus einem Behaelter mit frisch gemischter Farbe. Viele der Farben und Pigmente, die in der indischen Bekleidungsindustrie Verwendung finden, stammen aus Europa und sind als stark gesundheitsgefaehrdend eingestuft.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Narol; Arbeiter entladen Industriewaschmaschinen, in denen Jeanshosen der typische Look gegeben wird. Die 12-Stundenschichten in den hei├â┬č feuchten Hallen und der fahrlaessige Umgang mit den Chemikalien bereiten vielen der zum Teil noch jungen Arbeiter gro├â┬če gesundheitliche und psychische Beschwerden.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Ein junger Arbeiter fuehrt ein frische gewaschene Stoffbahn ├â┬╝ber eine Rolle. Die Mittel, die zum Faerben, Waschen, Bleichen und Weichmachen genutzt werden, hinterlassen gro├â┬če Mengen an Rueckstaenden in den Kleidungsstuecken.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Arbeiter machen ihre Pause in einer der unzaehligen Siebdruckhallen in Ahmedabad. Die hier bedruckten Stoffe sind in erster Linie fuer den indischen Markt bestimmt, aber auch Designer und andere Kunden aus der westlichen Welt lassen hier ihre Stoffe fertigen.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Satelite Area; Ein Model wird fuer das Shooting der neuen Kreationen der Designerin Anooli Shah gestyled.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Sarkej; In einem Heritage Restaurant wird ein Model in der neuen Ethnolook-Kollektion einer Designerin fotografiert.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Der 45-jaehrige Drucker Vijaybhai betrachtet sich in einem zerbrochenen Spiegel. Die anstrengende Arbeit, der er seit 35 Jahren nachgeht hat seinem Koerper schwer zugesetzt. Seine Gelenke sind teilweise versteift und die Farbdaempfe, denen er stetig ausgesetzt ist, haben zu chronischen Atemwegsbeschwerden gefuehrt. Dennoch ist er stolz, dass er mit seiner Arbeit seine Familie ernaehren kann.
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Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; In einer Jeansfabrik schneiden Arbeiterinnen die ueberstehenden Faeden aus den Naehten und sortieren die Hosen nach Waschung un Groesse. Die monatliche Bezahlung fuer die eintoenige Arbeit ist geringer als der Verkaufspreis einer einzelnen, der hier gefertigten Hosen im westlichen Ausland. Auch wenn sich wenigstens die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren verbessert haben, bleibt eine faire Entlohnung dennoch aus.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Beherampura; Der Drucker Kalu traegt die frisch bedruckten Stoffe aus der Druckhalle. Die Bezahlung erfolgt wie bei den meisten Arbeitern nach hergestellten Metern. Laufen die Geschaefte schlecht oder faelt die Produktion wie in den Monsunmonaten aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit aus, verdienen die Arbeiter nur wenig oder gar nichts.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Paldi; Die Dhobi Wallah von Paldi arbeiten in den Ruinen von dem, was noch vor wenigen Monaten ihre Waschstelle war. Durch ein Projekt zum Staetdteausbau und der Slumrehabilitierung, wurden entlang auf einer Streck von 6 Kilometern an beiden Ufern des Sabamarti-Flusses 100000 Familien umgesiedelt. Die Dhobi Wallah haben bisher noch keinen geeigneten Platz als Ersatz fuer ihr zerstoertes Ghat erhalten.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Paldi; Der Dhobi Wallah Rameshbhai zuendet sich einen Beedie an. Seine ansonsten von der Sonne gegerbte Haut ist vor der jahrelangen Arbeit mit Bleichmitteln im Wasser an seinen geschwollenen Haenden schon fast wei├â┬č geworden.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Mithakhali; Ein Hund liegt vor einem Werbeplakat eines Bekleidungsgeschaeftes in Ahmedabads vorzeige Shoppingstrasse. Der indische Markt ist stark umkaempft und Werbung zielt besonders auf die Kaufkraeftigen Kunden der indischen Mittelschicht ab, die sich gerne westlich kleiden.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Narol; Die Arbeiter einer der gro├â┬čen Denimproduzenten der Stadt arbeiten freiwillige Doppelschichten, um ihren schmalen Lohn aufzubessern. Oft sind sie die einzigen in der Familie mit einem regelmae├â┬čigen Einkommen. Durch den grossen sozialen Druck, sowie die Belastung durch die monotone Arbeit und das fehlende Sonnenlicht, begangen in den letzten Jahren viele Arbeiter Selbstmord.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Paldi; Ein Dhobi Wallah buerstet die gewaschenen Kleidungsstuecke seiner Kunden. Das stundenlange Stehen im hüfthohen Wasser, das durch die Bleiche- und Waschmittelrueckstaende schwer laugenhaltig ist, verursacht Neben chronischen Hautkrankheiten und -reizungen auch Gelenkkrankheiten. Im Hintergrund spiegelt sich der Schornstein des benachbarten Krematoriums.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Ein Dhobi Wallah legt ein Betttuch zum trocknen auf die Erde. Aufgrund staedtebaulicher Massnahmen im Zuge der Slumrehabilitation und Uferbebauung des Sabarmati Flusses, fehlt es den Waeschern in den Ghats sowohl an einem geeigneten Zugang zu frischem Wasser, als auch an Flaeche zum trocknen der gewaschenen Kleidung. Bis zum Ende des Jahres werden alle Ghats am innerstaedtischen Uferbereich abgerissen. Einen geeigneten Ersatzplatz hat man den Waeschern noch nicht angeboten.
Fashionvictims - Die Kleider anderer Leute; Asien, Suedasien, Indien, Gujarat, Ahmedabad, Dieser Stadtteil Ahmedabads, Beherampura, ist eines der sogenannten Doerfer, innerstaedtischen Siedlungen, die sich rund um die Fabriken indischer Industriestaedte gebildeten haben. Die wildgewucherten Strukturen und sind nur schwer ueberschaubar und bilden Subzentren, in denen Arbeiter der nahen Fabriken, aber auch viele andere Menschen auf engem Raum zusammenleben.